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Freitag, 14. Dezember 2018

Die lebendige Liebesflamme

Der Heilige Johannes vom Kreuz

O Flamme von Liebe lebendig,
die du zärtlich verwundest
meine Seele in tiefster Mitte!
Da du nicht mehr quälend bist,
komm schon ans End', wenn's dir gefällt;
zerreiß den Schleier zur süßen Begegnung.

O Brenneisen zärtlich!
O Wunde wonnetrunken!
O milde Hand, o zartkosende Berührung,
die schmeckt nach ewigem Leben
und alle Schuld begleicht!
Tötend hast Tod du in Leben getauscht.

O Leuchten von Feuer,
in deren Strahlen
die tiefen Höhlen des Sinnes,
der dunkel und blind war,
mit wundersamen Aufgipfelungen
Wärme und Licht zugleich ihrem Liebsten spenden!

Wie sanft und liebkosend
erwachst du in meinem Schoß,
wo du allein insgeheim wohnst!
Und in deinem köstlichen Hauch,
von Gutem und Herrlichkeit voll,
wie zartkosend machst du mich verliebt!

(Heiliger Johannes vom Kreuz)

(aus: Die lebendige Liebesflamme, Vollständige Neuübersetzung, Gesammelte Werke Band 5,
herausgegeben, übersetzt und eingeleitet von: Ulrich Dobhan OCD, Elisabeth Hense T. O. Carm., Elisabeth Peeters OCD, Verlag Herder Freiburg im Breisgau 2000)


Dieses Gedicht stammt von dem großen spanischen Heiligen Johannes vom Kreuz, dessen Gedenktag die Katholische Kirche heute feiert. Mit diesem wunderschönen Gedicht beschreibt Johannes vom Kreuz seine mystischen Erfahrungen der Einung mit unserem Gott, der ein Gott der Liebe ist. 

Ich lege Dir, liebe Leserin, und Dir, lieben Leser, die Schriften des Heiligen Johannes vom Kreuz sehr ans Herz. Lies doch einmal diese Klassiker  der Mystik, die Dich einladen, Dich völlig und ganz auf den Gott der Liebe einzulassen und Dich ebenfalls der Liebe Gottes gleichgestalten zu lassen.

Johannes vom Kreuz wurde unter dem Namen Juan de Yepes Álvarez vermutlich am 24. Juni 1542 in Fontiveros bei Ávila in Spanien geboren und starb am 14. Dezember 1591 im Kloster zu Úbeda. Sein Grab befindet sich in der Karmelitenkirche zu Segovia. 

Er gehörte dem Orden der Unbeschuhten Karmeliten an, war ein bedeutender Mystiker und wurde von der Katholischen Kirche zum Kirchenlehrer erhoben. 

Johannes vom Kreuz war ein Zeitgenosse der großen Heiligen Theresa von Ávila (Ordensname Theresa von Jesus), die ich ebenfalls sehr verehre und deren mystischen Werke  ich gleichfalls zur Lektüre empfehlen kann.

Johannes vom Kreuz wollte zunächst dem Orden der Kartäuser beitreten, doch als er 1567 kurz nach seiner Priesterweihe die Heilige Theresa von Ávila kennenlernte, begann er sich für Theresas Reform innerhalb des Karmelitenordens zu begeistern. So wurde er zunächst Novizenmeister im Orden der Unbeschuhten Karmeliten und dann Rektor. 1572 rief ihn die Heilige Theresa in den Karmel von der Menschwerdung nach Ávila, wo sie die Priorin war. Dort wirkte Johannes vom Kreuz als Beichtvater.

Später geriet der Heilige Johannes vom Kreuz dann in einen Konflikt zwischen der Päpstlichen Kurie in Rom und dem spanischen Königshof Philipp II. Dabei wurde er im Dezember 1577 sogar entführt und im Ordensgefängnis des Klosters zu Toledo inhaftiert. Dort wurde er misshandelt und gedemütigt. Jedoch war es gerade diese schwere Zeit, die zum eigentlichen Zentrum seiner Gotteserfahrung wurde. Aus diesen Erfahrungen erwuchsen seine mystagogischen Werke.


Ich schätze den Heiligen Johannes vom Kreuz sehr und habe seine Bücher gelesen, die ich jedem aufrichtig Suchenden nur ans Herz legen kann. Es handelt sich bei diesen Werken um mystagogische Klassiker, das heißt, seine Werke führen den Leser tief in die Mysterien und die Heilsgeheimnisse des christlichen Glaubens ein. Es sind die folgenden Schriften, die beim Herder Verlag in Deutschland erhältlich sind und deren Übersetzung in die deutsche Sprache herausragend sind:

Die dunkle Nacht
Worte von Licht und Liebe
Der Geistliche Gesang
Aufstieg auf den Berg Karmel
Die lebendige Liebesflamme



Donnerstag, 13. Dezember 2018

Jesus bleibet meine Freude - Johann Sebastian Bach



Jesus bleibet meine Freude,
Meines Herzens Trost und Saft.

Jesus wehret allem Leide,
Er ist meines Lebens Kraft.

Meiner Augen Lust und Sonne,
Meiner Seele Schatz und Wonne,

Darum lass ich Jesum nicht
Aus dem Herzen und Gesicht.
Die Interpreten sind die Tenöre Marshall & Alexander, die Bilder stammen aus der Wittenberger Stadtkirche.

Dienstag, 11. Dezember 2018

In den Händen Gottes

Gnadenbild des Barmherzigen Jesus 
in der Gebetsstätte zum Barmherzigen Jesus in Düsseldorf


Der Mensch, 
der sich vollkommen in die Hände Gottes übergibt,
wird keine Marionette Gottes,
keine langweilige angepasste Person;
er verliert seine Freiheit nicht.
Nur der Mensch, 
der sich ganz Gott anvertraut,
findet wahre Freiheit,
die große und schöpferische Weite 
der Freiheit des Guten.
Der Mensch, 
der sich zu Gott hinwendet,
wird nicht kleiner, 
sondern größer,
denn durch Gott und zusammen mit Ihm
wird er groß, 
wird er göttlich,
wird er wirklich er selbst.


(Benedikt XVI.)


Samstag, 8. Dezember 2018

Neviges - die größte Immaculata-Wallfahrt nördlich der Alpen

Die Mariensäule mit dem Hardenberger Gnadenbild der Unbefleckten Empfängnis 
im Mariendom zu Neviges

Am 8. Dezember 1854, dem Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria, verkündete Papst Pius IX. feierlich das Dogma von der Unbefleckten Empfängnis der Mutter unseres Heilandes Jesus Christus. Damit führte der Papst keine neue Lehre ein, sondern erhob eine seit der Frühzeit des Christentums verbreitete Glaubensüberzeugung in den Rang eines Dogmas, welches besagt, dass Maria vom ersten Augenblick ihrer Existenz an - also vom Moment ihrer Zeugung durch ihre Eltern Anna und Joachim an - im Hinblick auf ihre Aufgabe als Mutter unseres Erlösers von der Schuldverflochtenheit der Erbsünde ausgenommen war, in die alle Menschen hineingeboren werden, und dass sie niemals eine persönliche Sünde begangen hat.


Anna selbdritt im Mariendom
(Anna selbdritt bezeichnet eine Darstellung der Heiligen Anna mit ihrer Tochter Maria und dem Jesuskind)

Wusstest Du, liebe Leserin, lieber Leser, dass sich der größte Wallfahrtsort nördlich der Alpen, der Maria Immaculata verehrt, in dem nordrhein-westfälischen Städtchen Neviges befindet, welches nur wenige Kilometer von Düsseldorf entfernt liegt?

Dort betreuen Franziskaner die Immaculata-Wallfahrt ganz in der Tradition ihres schottischen Mitbruders Johannes Duns Scotus, des theologischen Vaters der Lehre von der Unbefleckten Empfängnis Mariens. Johannes Duns Scotus rechtfertigte diese Lehre mit seinem Begriff der Vor-Erlösung, indem er erklärte, dass Maria durch ihren Sohn Jesus Christus schon vorab die Gnade der Freiheit von der Erbsünde erfahren habe, weshalb die Erlösung durch unseren Heiland Jesus Christus nicht geschmälert, sondern im Gegenteil sogar gesteigert sei.  

Johannes Duns Scotus

Johannes Duns Scotus wurde 1265 in Duns/Schottland geboren und starb am 8. November 1308 in Köln. Dort ruht er in der Minoritenkirche. Der Heilige Johannes Paul II. sprach ihn 1993 selig.

So passt es sehr gut, dass das Gnadenbild von Neviges, zu dem seit 1680 unzählige Gläubige gepilgert sind und Ziel der größten Immaculata-Wallfahrt nördlich der Alpen ist, sich ebenfalls im Erzbistum Köln befindet. Der Kupferstich aus einem Gebetbuch von 1661, der die Unbefleckte Jungfrau und Gottesmutter Maria zeigt, wird heutzutage in dem 1968 fertiggestellten Mariendom zu Neviges verehrt.

Das Gnadenbild

Die moderne Wallfahrtskirche "Maria, Königin der Friedens" wurde in knapp zweijähriger Bauzeit von 1966 bis 1968  von dem Kölner Architekten Gottfried Böhm im Stil eines Felsendoms errichtet, weil die alte Wallfahrtskirche aus dem Jahr 1728 die zahlreichen Pilger nicht mehr aufnehmen konnte.  Das expressionistische Bauwerk aus Beton und Glas wurde von vielen Menschen weltweit beachtet und bewundert, hat aber auch starke Kontroversen hervorgerufen. Die Kirche ist heute mit mehr als 6000 Plätzen nach dem Kölner Dom die zweitgrößte Kirche im Erzbistum Köln. 

Die moderne Wallfahrtskirche "Maria, Königin des Friedens"

Wenn der Pilger in die Kirche eintritt, empfängt ihn ein mystisches Halbdunkel. Farbenprächtige Fenster tauchen den Kirchenraum in ein geheimnisvolles Licht. Im Zentrum der Marienkapelle erhebt sich die Mariensäule von Elmar Hillebrand, die fast vier Meter hoch ist. Das ursprünglich sehr kleine Gnadenbild der Unbefleckten Empfängnis ist in diese Säule eingelassen. Oberhalb des Gnadenbildes befindet sich eine Skulptur, die Maria als Mutter unseres geliebten Heilandes Jesus Christus darstellt. Am 23. September 1978 besuchte Kardinal Karol Wojtyła, ein großer Verehrer der Gottesmutter, mit einer Pilgergruppe aus Krakau den Mariendom. 23 Tage danach wurde er als Johannes Paul II. zum Papst gewählt.

Das Fischfenster der Marienkapelle

So dürfen wir heute voller Freude das Gebet sprechen, welches sich im Original auf der Rückseite des Hardenberger Gnadenbildes der Unbefleckten Empfängnis befindet: 


Heilige Maria, Mutter Gottes,

Königin des Himmels und Pforte des Paradieses,

Herrscherin der Welt und Allerreinste der Jungfrauen,

sei uns gegrüßt!

Du bist ohne Erbschuld empfangen und jeglicher Sünde bar.

Ohne Sündenmakel hast du empfangen Jesus, den Heiland der Welt.

Du bist die unbefleckte Jungfrau vor, in und nach der Geburt.

Lass mich durch deine mächtige Fürsprache gottselig, rein und heilig leben,

und bitte für uns alle bei Jesus, deinem geliebten Sohn.

Nach meinem Tod nimm mich gnädig auf.

Halte fern von mir alle Übel des Leibes und der Seele.

Lass mich anderen helfen,

die Werke der Barmherzigkeit vollbringen

und verleihe, dass ich in der Paradieses-Herrlichkeit

mich ewig mit dir freuen möge.

Amen.

Das Franziskanerkloster  und die alte Wallfahrtskirche unterhalb des Mariendomes
Barocke Pracht im Innenraum der alten Wallfahrtskirche von 1728

Freitag, 7. Dezember 2018

Maria durch ein' Dornwald ging




Das Lied "Maria durch ein' Dornwald ging " ist eines der Adventslieder, die ich am meisten liebe. Ich freue mich jedes Mal, wenn es in einer Heiligen Messe gesungen wird. Zur heutigen Vigil des Hochfestes der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria passt es auch ganz wunderbar. Helene Fischer präsentiert dieses Adventslied auf eine sehr beeindruckende Weise.