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Mittwoch, 20. Januar 2016

Die leiblichen Werke der Barmherzigkeit

Der Heilige Martin von Tours teilt seinen Mantel mit einem Armen (Düsseldorf, Martinsäule vor der St. Andreas Kirche)


Die Barmherzigkeit ist ein bedeutender Aspekt im Christentum. Man könnte Barmherzigkeit auch als einen Akt liebevoller Güte zu allen Mitmenschen bezeichnen. Denken wir immer daran, dass die Liebe die größte Macht auf dieser Welt ist.

Nicht ohne Grund wurde daher seit den Anfängen des Christentums von vielen Christen und von allen Heiligen einen großen Wert darauf gelegt, bedürftigen Mitmenschen in allen ihren Nöten zu helfen.

Wir müssen nur auf unseren geliebten Herrn Jesus Christus schauen, der unser großes Vorbild und unser großer Lehrer ist.

Er ist allen Menschen mit Liebe begegnet. Jedem Menschen, der zu Ihm kam, hat Er Seine Hilfe nicht widersagt. Er hat Kranke geheilt, Hungernde gespeist und niemanden in unheilsamen Geisteszuständen belassen. Er hat konkret Hilfe geleistet, sowohl in leiblicher als auch in geistlicher Weise. Er hat niemanden verurteilt, sondern Er hat den Menschen in allen Bereichen ihres Lebens geholfen.

Wir folgen Jesus Christus nach, daher ist es für uns unerlässlich, Barmherzigkeit und liebevolle Güte zu allen Menschen, ja sogar zu allen Lebewesen zu entwickeln.

Es wird zwischen leiblichen Werken der Barmherzigkeit und geistigen Werken der Barmherzigkeit unterschieden.

Heute möchte ich daher über die leiblichen Werke der Barmherzigkeit sprechen und kleine Beispiele dafür geben, wie wir diese in unserem Leben einüben können.

Zunächst möchte ich die leiblichen Werke der Barmherzigkeit einmal nennen. Es sind im einzelnen sieben leibliche Werke der Barmherzigkeit:

1. Hungernde speisen
2. Durstigen zu trinken geben
3. Nackte bekleiden
4. Fremde beherbergen
5. Kranke besuchen
6. Sich um Gefangene sorgen
7. Tote würdevoll bestatten

Das sind doch sehr konkrete Nöte. Diese gibt es unter den Menschen seit allen Zeiten, so wie vor 2000 Jahren zu Christi Zeiten als auch heutzutage in unserer Wohlstandsgesellschaft.

Geh doch nur einmal mit offenen Augen durch die Düsseldorfer Altstadt, dort wo die bekannte Martinsäule steht. Wie viel Elend wirst Du, liebe Leserin und lieber Leser, dort sehen!

Du triffst dort obdachlose Menschen aus allen Generationen und Bevölkerungsschichten, verarmte ältere Menschen, die in Mülltonnen nach Pfandflaschen suchen, suchtkranke Menschen, sowie arme hungernde Menschen aus vielen Ländern dieser Erde. 

Urteile nicht über sie, sondern entwickle Mitgefühl!

Du kannst ihnen helfen, sei es durch eine kleine Spende vor Ort als auch durch Unterstützung der franziskanischen Initiative gegen Armut und Not e. V., die sich vision:teilen nennt. Diese Initiative ist gerade auch in Düsseldorf sehr aktiv, sie hilft allen Menschen in Not, egal wer sie sind oder woher sie kommen. Du kannst aber auch die Altstadt Armenküche oder die Suppenküche des Dominikanerklosters unterstützen. Es gibt sogar die Möglichkeit, durch tätige Mithilfe dort zu helfen.

Gib aber nicht nur Geld, sondern sprich auch einmal mit den Menschen. Du wirst erstaunt sein, welchen wunderbaren Menschen Du begegnen wirst.

Du hast so viele Möglichkeiten, Mitgefühl und Barmherzigkeit zu entwickeln. Aber dazu ist es erforderlich, achtsam zu werden und Deinen Blickwinkel zu verändern. Schaue nicht immer nur auf Dich selbst, auf Deinen eigenen Nabel und Deine eigenen Nöte. Wenn Du Dich um die Nöte Deiner Mitmenschen kümmerst, wirst Du entdecken, dass Dein eigenes Leid kleiner wird und dass Du viel besser damit umgehen kannst. Hilf auf jene Weise, zu der Dein Herz Dir rät.

Besuche kranke Menschen im Krankenhaus. Vielleicht ist Dein Nachbar erkrankt oder ein Arbeitskollege. So viele Menschen sind einsam und niemand besucht sie im Krankenhaus.
Oder ein Freund oder ein Familienangehöriger ist im Krankenhaus. Wie sehr würde Dein Besuch sein Herz erfreuen. Es gibt aber auch die Möglichkeit, ehrenamtlich in Krankenhäusern einsame Patienten zu betreuen und sie zu unterstützen. Menschen, zu denen sonst niemand kommt.

Fange in kleinen Schritten an. Fühle, wie Dein Herz wund wird von all dem Leid um Dich herum.

Es gibt sogar die Möglichkeit, Strafgefangenen zu helfen und sie zu besuchen. Denk doch einmal über eine Unterstützung der Initiative Christliche Gefangenenhilfe e. V. nach.

Auch sterbende Menschen benötigen unsere Liebe, unseren Trost, und unser Mitgefühl. Vielleicht möchtest Du ein ehrenamtlicher Helfer in einem Hospizverein werden.

Und noch einmal: Verurteile niemals einen Menschen, sondern lerne Mitgefühl und Anteilnahme zu entwickeln. Du weißt nicht, durch welches Leid ein Mensch in seine Situation gekommen ist.

Außerdem sind wir alle bedürftig und sündig vor Gott. Wo wären wir doch alle ohne Gottes unergründliche und unermessliche Barmherzigkeit?




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