Translate

Donnerstag, 15. September 2016

Ohnmacht aushalten

Dir wird ein Schwert durch deine Seele dringen

In welcher Bedrängnis, in welcher Trübsal befindest Du Dich gerade, liebe Leserin und Du, lieber Leser?
Lebst Du mit einer chronischen Erkrankung, so dass Du ständig starke Schmerzen ertragen musst?
Oder leidest Du unter einer körperlichen Behinderung, so dass Du Dich nur im Rollstuhl fortbewegen kannst?
Vielleicht leidest Du auch unter immer wiederkehrenden Depressionen und Angstzuständen, die Dein Leben stark beeinträchtigen.
Oder leidest Du sogar unter einer tödlichen Erkrankung, und Dein Arzt hat Dir eröffnet, dass es für Dich keine Hoffnung auf Heilung mehr gibt?
Vielleicht hast Du durch großes Unrecht einen Prozess verloren, und jetzt musst Du mit den negativen Konsequenzen leben, obwohl Dir nicht Recht zugesprochen worden ist.
Hast Du gerade Deinen Arbeitsplatz verloren, und weil Du schon über 50 Jahre alt bist, hat man Dir beim Job-Center gesagt, dass Du nicht mehr vermittelbar bist?

Jeder von uns kann also in eine Not oder eine Bedrängnis kommen, aus der es keinen Ausweg mehr gibt. Jeder von uns kann auch in eine hoffnungslose Situation geraten, in der er völlige Hilflosigkeit und Ohnmacht erfährt.

Dann ist es unerlässlich, dass wir es lernen, diese Ohnmacht auszuhalten.

Heute feiert die Katholische Kirche das Fest "Gedächtnis der Schmerzen Mariens".
Ja, auch unsere geliebte Gottesmutter Maria befand sich in ihrem Leben ebenfalls in einer großen Not und Bedrängnis!

Ihr geliebter Sohn, unser Herr Jesus Christus, wurde durch einen ungerechten Richter falsch beschuldigt, und obwohl Er völlig unschuldig war, zu Tode verurteilt.
Maria konnte nichts dagegen machen. Sie musste das Urteil hinnehmen, sie musste ihre Hilflosigkeit und Ohnmacht aushalten.

Gibt es für eine liebende Mutter etwas schlimmeres, als dass sie mit ansehen muss, wie ihr geliebter Sohn ungerecht zu Tode verurteilt wird, dann grausam öffentlich gefoltert wird und schließlich Sein eigenes Kreuz zum Hinrichtungsplatz durch eine hasserfüllte Menschenmenge tragen muss?
Gibt es für eine liebende Mutter etwas schlimmeres, als dass sie unter dem Kreuz ihres geliebten Sohnes stehen muss und mit ansehen muss, wie ihr Sohn langsam und qualvoll stirbt?
Gibt es für eine liebende Mutter etwas schlimmeres, als eine solche Ohnmacht auszuhalten?

Wenn wir also auf unsere geliebte Gottesmutter Maria schauen, dann sehen wir, dass Maria vor einer solchen schrecklichen Bedrängnis nicht davongelaufen ist, so wie die meisten Jünger ihres Sohnes. Sie hat ihrem geliebten Sohn, unserem Herrn und Gott Jesus Christus, beigestanden.  Maria hat ihre Ohnmacht ausgehalten. Maria hat also als liebende Mutter ebenso wie unser Herr bei der Kreuzigung gelitten, sie nahm somit Anteil an den Leiden ihres Sohnes Jesu Christi.

Nehmen wir uns daher ein Beispiel an der Allerseligsten Jungfrau und Gottesmutter Maria,  und seien wir bereit, dass uns zufallende Leid in der Nachfolge Jesu Christi zu tragen. Lernen wir es also wie Maria, in Leid und Bedrängnis, unsere Ohnmacht auszuhalten.

Wenn wir daher unser Kreuz freiwillig auf uns nehmen, wenn wir unsere Ohnmacht aushalten, dann können wir unsere Schuld vor Gott verkleinern und zeitliche Sündenstrafen auf Erden abbüßen. Als Glieder am Mystischen Leib Jesu Christi und der Gemeinschaft der Heiligen können wir sogar unsere Bedrängnisse und Leiden, sowie unsere ganze Ohnmacht für die Nöte und die Sünden lebender als auch verstorbener Menschen aufopfern.

Indem wir unsere Bedrängnisse im Einklang mit dem Willen Gottes freiwillig tragen und unsere Ohnmacht in Not und Trübsal aushalten, erfüllen wir auf diese Weise eine Aufgabe, die der Heilige Paulus in folgende Worte gekleidet hat:

Jetzt freue ich mich in den Leiden, die ich für euch ertrage. Für den Leib Christi, die Kirche, ergänze ich in meinem irdischen Leben das, was an den Leiden Christi noch fehlt.

(Brief des Heiligen Apostels Paulus an die Kolosser 1,24)


Pietà, Pfarrkirche Sankt-Marä-Himmelfahrt in Mülheim/Ruhr-Saarn

 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen