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Samstag, 17. September 2016

Wisse die Wege

Die Heilige Hildegard von Bingen am Schreibpult (um 1220/1230)

Es geschah im Jahre 1141 der Menschwerdung des Sohnes Gottes Jesus Christus, als ich 42 Jahre und sieben Monate alt war; ein feuriges Licht mit stärkstem Leuchten, das aus dem offenen Himmel kam, durchströmte mein ganzes Gehirn und meine Brust und entflammte sie, ohne sie jedoch zu verbrennen; doch es war heiß, wie die Sonne das erwärmt, worauf sie ihre Strahlen wirft. Und plötzlich verstand ich die Bedeutung der Schriftauslegung, nämlich des Psalters, des Evangeliums und der anderen katholischen Bände sowohl des Alten als auch des Neuen Testaments.

So beschreibt die Heilige Hildegard von Bingen in der Einführung ihres Hauptwerkes "Wisse die Wege - Liber Scivias", welches sie bereits zu ihren Lebzeiten weltberühmt machte, ihre Visionen, die sie von Gott erhielt und deren Festtag die Katholische Kirche heute feiert. Ich verehre die Heilige Hildegard von Bingen sehr und schätze ihre Bücher, die ich meinen lieben Leserinnen und Lesern wärmstens an Herz lege.

Die größte deutsche Mystikerin, die auch heute noch viele Menschen fasziniert - so auch mich - schreibt in diesem Buch über das unsagbare Geheimnis Gottes und Seiner wunderbaren Schöpfung vom Anfang der Welt bis zur Erlösung und Vollendung des Menschen am Ende der Zeiten. Mitgeteilt wurden ihr diese Geheimnisse in zahlreichen Visionen, die Gott ihr das ganze Leben lang zuteil werden ließ und die sie den Menschen mitteilen sollte. So schreibt sie weiter:

Und wiederum hörte ich eine Stimme, die zu mir sagte:
"Verkünde es also laut, und schreibe es so nieder!"

Hildegard von Bingen wurde 1098 in Bermersheim vor der Höhe geboren und starb am
17. September 1179 im Kloster Rupertsberg bei Bingen am Rhein.

Sie war eine Benediktinerin, Äbtissin, Dichterin, Künstlerin, Wissenschaftlerin und Ärztin, sie war schlichtweg eine große Universalgelehrte.  Sie gilt als erste und größte Vertreterin der deutschen Mystik des Mittelalters. Sie schrieb bedeutende Werke, die sich mit Religion, Ethik, Mystik, Medizin, Musik und Kosmologie beschäftigen und auf ihre zahlreichen Visionen zurückgehen, die Gott ihr schenkte. Bis heute fasziniert sie zahlreiche Menschen in aller Welt. Die Hildegard-Medizin ist sogar nicht gläubigen Menschen heute immer noch ein Begriff.

Hildegard von Bingen wurde von den Menschen schon immer als Heilige verehrt, da das Wahre, Schöne und Echte immer die Menschen anzieht. Am 10. Mai 2012 nahm daher Papst Benedikt XVI. sie ohne förmliches Verfahren in den Heiligenkalender auf. Am 7. Oktober 2012 erhob Papst Benedikt XVI. die Heilige Hildegard von Bingen zur Kirchenlehrerin.

Hildegard von Bingen hatte mystische Erfahrungen und Visionen schon seit ihrer frühesten Kindheit. So schreibt sie in "Wisse die Wege - Liber Scivias":

Die Kraft aber und das Geheimnis verborgener, wunderbarer Schauungen hatte ich schon seit meiner Kindheit, d. h. seit jener Zeit, als ich fünf Jahre alt war, bis in die Gegenwart auf wunderbare Weise in mir verspürt, wie auch jetzt noch. Das tat ich dennoch keinem Menschen kund mit Ausnahme einiger weniger Ordensleute, die mit mir unter derselben Regel lebten; doch in der Zwischenzeit bis zu dem Zeitpunkt, da Gott sie in seiner Gnade kundtun wollte, versenkte ich sie in tiefem Schweigen. Die Visionen aber, die ich schaute, habe ich weder in Träumen noch schlafend noch in Geistesverwirrung noch mit den leiblichen Ohren des äußeren Menschen noch an verborgenen Orten wahrgenommen, sondern ich empfing sie wachend und umsichtig bei klarem Verstand mit den Augen und Ohren des inneren Menschen an zugänglichen Orten nach dem Willen Gottes. Auf welche Weise das geschieht, ist für einen Menschen im Fleisch schwer zu verstehen.

Liebe Leserin, lieber Leser, lies doch selbst einmal die Bücher der Heiligen Hildegard von Bingen, die von der Abtei Sankt Hildegard in Eibingen herausgegeben worden sind.
Sie werden Dir wirklich eine Offenbarung sein, die Dich in Deinem Glauben stärkt.
Ich bin Gott so dankbar, dass Er der Welt solche großen Heiligen wie die Heilige Hildegard von Bingen geschenkt hat.

Die Heilige Hildegard mit Propst Volmar (um 1165)

 

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