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Donnerstag, 26. Januar 2017

Ein winterlicher Pilgertag im Marienwallfahrtsort Neviges

Die Mariensäule
mit dem Hardenberger Gnadenbild der Unbefleckten Empfängnis
 im Mariendom zu Neviges

Seit mehr als 300 Jahren pilgern unzählige Menschen zum Wallfahrtsort Neviges, welcher sich im Tal des Hardenberger Baches im Bergischen Land befindet.  Als Ursprung der Wallfahrt gilt eine Marienerscheinung, die der Dorstener Franziskanerpater Antonius Schirley im Jahre 1676 hatte.

Als der Pater eines Tages vor einem kleinen unscheinbaren Bildchen, welches die Allerseligste Jungfrau und Gottesmutter Maria als Immaculata (Unbefleckte Empfängnis) zeigt, sein tägliches Gebet verrichtete, vernahm er die Stimme der Gottesmutter, die zu ihm sagte:

"Bring mich nach Hardenberg, da will ich verehret sein."

Da die Gottesmutter auch eine wunderbare Krankenheilung vorausgesagt hatte, übersandte Pater Schirley das Marienbild den Franziskanern in Hardenberg-Neviges. Davon hörte nun der schwerkranke Fürstbischof von Paderborn und Münster, Ferdinand von Fürstenberg. Daraufhin legte der Fürstbischof ein Gelübde ab, dass er im Falle seiner Heilung zur Gottesmutter nach Neviges pilgern werde. Nach seiner erfolgten wunderbaren Genesung unternahm der Fürstbischof dann am 25. Oktober 1681 aufgrund dieses Gelübdes eine Dankwallfahrt nach Neviges.

In Anwesenheit des Herzogs von Berg und des Abtes von Werden feierte der Fürstbischof eine Pontifikalmesse in der dortigen Sankt-Anna-Kirche. Zum Dank an die "gütige Gottesmutter" finanzierte er daraufhin die Fertigstellung des dort bereits im Bau befindlichen Franziskanerklosters.

Im Jahre 1688 genehmigte der Kölner Generalvikar offiziell die Wallfahrt nach Neviges, und Papst Clemens XII. versprach allen Wallfahrern, die nach Neviges zum Hardenberger Gnadenbild der Unbefleckten Empfängnis pilgern, den völligen Ablass aller Sündenstrafen.

So pilgerte auch ich bei strahlendem Winterwetter für einen Tag zum

"Hardenberger Gnadenbild der Unbefleckten Empfängnis"

nach Neviges, das heutzutage ein Ortsteil der Stadt Velbert in der Nähe von Wuppertal ist.

Der Marienwallfahrtsort Neviges liegt malerisch zwischen den lieblichen Hügeln des Bergischen Landes im Tal des Hardenberger Baches. Schon von weitem sieht man den berühmten Wallfahrtsdom "Maria, Königin des Friedens", der wie ein Felsen aus Beton und Glas aus dem Tal herausragt.


Der Wallfahrtsdom "Maria, Königin des Friedens" wurde
im Stil eines Felsendomes errichtet

Die moderne Wallfahrtskirche "Maria, Königin der Friedens" wurde in knapp zweijähriger Bauzeit von 1966 bis 1968  von dem Kölner Architekten Gottfried Böhm im Stil eines Felsendoms errichtet, weil die alte Wallfahrtskirche aus dem Jahr 1728 die zahlreichen Pilger nicht mehr aufnehmen konnte.  Das expressionistische Bauwerk aus Beton und Glas wurde von vielen Menschen weltweit beachtet und bewundert, hat aber auch starke Kontroversen hervorgerufen. Die Kirche ist heute mit mehr als 6000 Plätzen nach dem Kölner Dom die zweitgrößte Kirche im Erzbistum Köln.

Wenn der Pilger in die Kirche eintritt, empfängt ihn ein mystisches Halbdunkel. Farbenprächtige Fenster tauchen den Kirchenraum in ein geheimnisvolles Licht.

Das Fischfenster der Marienkapelle

Im Zentrum der Marienkapelle erhebt sich die Mariensäule von Elmar Hillebrand, die fast vier Meter hoch ist. Das ursprünglich sehr kleine Gnadenbild der Unbefleckten Empfängnis ist in diese Säule eingelassen. Oberhalb des Gnadenbildes befindet sich eine Skulptur, die Maria als Mutter unseres geliebten Heilandes Jesus Christus darstellt. Der von mir sehr geschätzte, emeritierte Kardinal Meisner sagte einmal:

"So begegnet dem Betrachter vor dem kleinen Gnadenbild an der Mariensäule in Neviges das Geheimnis der Kirche, die - wie Maria - von Christi Gnaden voll der Gnaden ist."

Maria, Mutter des Erlösers und Maria, die Unbefleckte Empfängnis
 
Das Gnadenbild

Der Kirchenraum selbst soll an einen weiten Marktplatz erinnern, in dessen Zentrum sich der Altar befindet, den Emporen wie fensterreiche Häuser umgeben und zu dem breite Straßen und Prozessionswege hinführen.

Der Altar im Zentrum der Kirche
 
Die Emporen

Am 23. September 1978 besuchte Kardinal Karol Wojtyła, ein großer Verehrer der Gottesmutter, mit einer Pilgergruppe aus Krakau den Mariendom. 23 Tage danach wurde er als Johannes Paul II. zum Papst gewählt.

Wenn man die Kirche verlässt und den so genannten Kreuzberg hinauf geht, kann man den dort befindlichen und sehr beeindruckenden Kreuzweg entlang wandern und an den einzelnen Stationen meditieren und beten. Der Kreuzberg wurde 1888 errichtet und fasziniert durch seine bildlichen Darstellungen. 

Der Kreuzweg oberhalb des Domes

Die Kreuzigungsstätte
 
Das Grab Christi
 
Jesus Christus wird ins Grab gelegt

Unterhalb des Wallfahrtsdomes befindet sich das Kloster der Franziskaner, die die Wallfahrer, aber auch die dortige Kirchengemeinde betreuen. Neben dem Kloster steht die im Jahre 1728 errichtete Wallfahrtskirche, die eine kunstvoll barocke Ausstattung aufweist. Diese Kirche ist heute die Pfarrkirche der Gemeinde "Maria, Königin des Friedens".

Das Franziskanerkloster unterhalb des Mariendomes
 
Die Wallfahrtskirche von 1728, die heutige Pfarrkirche


 

Barocke Pracht im Innenraum der Kirche
 


Das folgende Gebet befindet sich im Original auf der Rückseite des Hardenberger Gnadenbildes der Unbefleckten Empfängnis. So betete auch ich heute:

Heilige Maria, Mutter Gottes,
Königin des Himmels und Pforte des Paradieses,
Herrscherin der Welt und Allerreinste der Jungfrauen,
sei uns gegrüßt!
Du bist ohne Erbschuld empfangen und jeglicher Sünde bar.
Ohne Sündenmakel hast du empfangen Jesus, den Heiland der Welt.
Du bist die unbefleckte Jungfrau vor, in und nach der Geburt.
Lass mich durch deine mächtige Fürsprache gottselig, rein und heilig leben
 und bitte für uns alle bei Jesus, deinem geliebten Sohn.
Nach meinem Tod nimm mich gnädig auf.
Halte fern von mir alle Übel des Leibes und der Seele.
Lass mich anderen helfen,
die Werke der Barmherzigkeit vollbringen
und verleihe, dass ich in der Paradieses-Herrlichkeit
mich ewig mit dir freuen möge.
Amen.
 
 

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